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Ob
nach langer Krankheit oder ganz plötzlich nach einem Unfall,
der Tod eines Menschen ist für Angehörige und Freunde oft
auch ein tiefer Einschnitt in das eigene Leben. Experten
raten, sich der Trauer zu stellen, um sie zu bewältigen.
Seit Sigmund Freud definieren
Experten die Trauer als »Reaktion auf den Verlust einer
geliebten Person«. Verdrängung hilft nicht weiter: Familie
oder Freunde können bei der Trauerarbeit Hilfestellung
leisten.
Je intensiver die Beziehung war,
desto komplizierter ist die Trauer«, erläutert Prof. Konrad
Baumgartner, katholischer Theologe und Trauerexperte an der
Universität Regensburg.
Zunächst sei die Reaktion auf die
Todesnachricht oft ein Schock.
Daran schließe sich häufig eine »kontrollierte Phase« an:
Die Angehörigen müssen sich um vieles kümmern, wie die
Beerdigung, für die Trauer bleibt oft wenig Raum. Danach
stellten sich Selbstzweifel und quälende Gedanken ein.
Das Risiko, nach dem Tod etwa des
Partners zu sterben, sei dreimal so hoch wie sonst, sagt
Kerstin Lammer, evangelische Pastoralpsychologin am
kirchlichen Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Schwerte (
Nordrhein-Westfalen). Auch seien Trauernde anfälliger für
Krankheiten. Häufig seien vor allem Depressionen.
Hinzu kommen Gefühle, die den
Trauernden meist verwirren, wie zum Beispiel Zorn auf den
Verstorbenen: »Die Frau soll plötzlich das Konto führen, was
ihr Mann immer gemacht hat, und fühlt sich von ihm im Stich
gelassen«, so Prof. Baumgartner. Auch sei der Verstorbene
oft in irgendeiner Weise gegenwärtig und erscheine in
Träumen.
All diese Phänomene lassen sich
jedoch nicht verallgemeinern. »Jeder trauert auf seine Art
und Weise«, sagt Prof. Randolph Ochsmann, Psychologe an der
Universität Mainz und Mitarbeiter des Arbeitskreises
Thanatologie - der Lehre vom Tod.
Die früher in Beratung und
Seelsorge übliche Einteilung der Trauer in aufeinander
folgende Phasen - vom ersten Schock
nach der Todesnachricht bis zur völligen Bewältigung nach
ein bis zwei Jahren - lehnen die Experten heute weitgehend
ab: »Ein Trauerprozess verläuft nicht nach einem festen
Schema«, sagt Kerstin Lammer. So stehe am Anfang der Trauer
nicht immer ein Schock.
Manche Angehörigen seien bei der Todesnachricht durchaus
gefasst oder sogar erleichtert.
Niemand sollte daher von
Angehörigen eine bestimmte Reaktion auf den Todesfall
einfordern. »Es ist in Ordnung, wenn Leute ihre Trauer nicht
ausleben wollen«, so Lammer. Dennoch hat der Trauerprozess
ein Ziel. »Es geht darum, das eigene Leben fortzusetzen,
ohne durch den Verlust beeinträchtigt oder gelähmt zu
werden«, so Prof. Ochsmann.
Zur Bewältigung der Trauer ist es
den Experten zufolge hilfreich, den Toten noch einmal zu
sehen.
Immer mehr Bestatter, Gemeinden oder Therapeuten
bieten auch so genannte Trauergruppen an. Aber auch Freunde
können Trauernden helfen: »Alles, was man das erste Mal ohne
den Toten tun muss, ist schwer«, sagt Lammer. An Weihnachten
oder Geburtstagen sollten Freunde deshalb besonders sensibel
sein.
Man solle sich zwar nicht aufdrängen, aber ein Zeichen
geben, so Prof. Baumgartner: »Wenn du mich brauchst, bin ich
da.«
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